
Neubau BBiZ Kerpen
Förderung von Ausbildungs- und Weiterbildungszentren im Rheinischen Revier und Nördlichen Ruhrgebiet (RL AWBZ)
BBiZ Kerpen -
EFRE 2040093
Ein moderner Bildungsstandort für die Bauindustrie in Nordrhein-Westfalen
In Kerpen entsteht ein neues bauindustrielles Ausbildungszentrum, das die berufliche Aus- und Weiterbildung in der Bauwirtschaft langfristig stärken soll. Der Neubau ersetzt ein Bestandsgebäude, das den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht und schadstoffbelastet ist. Damit wird nicht nur ein baulicher Ersatz geschaffen, sondern ein moderner, zukunftsfähiger Bildungsstandort mit klarer Adresse, hoher Aufenthaltsqualität und kurzen Wegen zwischen Lernen, Arbeiten, Wohnen und Versorgung.
Das neue Zentrum verbindet theoretische Ausbildung, praktische Werkhallen, Lernbereiche, Mensa, Verwaltung, Lagerflächen und eine betriebsbezogene Unterbringung für Auszubildende. Es entsteht ein Campus, der auf die besonderen Anforderungen der überbetrieblichen Ausbildung in der Bauindustrie ausgerichtet ist.
Bedeutung des Standortes
Das Ausbildungszentrum Kerpen ist die größte Bildungseinrichtung des Berufsförderungswerkes der Bauindustrie NRW. Täglich werden hier in der Regel rund 300 bis 400 Schulungsteilnehmerinnen und Schulungsteilnehmer in unterschiedlichen Bildungsgängen, Gewerken und Kompetenzfeldern ausgebildet, qualifiziert oder umgeschult. Unterstützt wird der Betrieb durch etwa 90 fest angestellte Mitarbeitende sowie zusätzliche Honorarkräfte, insbesondere in den ausbildungsintensiven Wintermonaten.
Der Standort erfüllt damit eine zentrale Aufgabe für die Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen: Er unterstützt Unternehmen bei der Fachkräftesicherung, ermöglicht praxisnahe Qualifizierung und schafft Perspektiven für Menschen, die neu in Bauberufe einsteigen oder sich beruflich weiterentwickeln möchten.
Lage und städtebaulicher Kontext
Das Grundstück liegt in Kerpen am Rand eines Industriegebietes. Die Umgebung entlang der Boschstraße und Zeißstraße ist industriell geprägt. Gleichzeitig entsteht durch die Neuplanung des Ausbildungszentrums und das auf der gegenüberliegenden Seite der Humboldtstraße geplante Europagymnasium ein neuer Bildungsstandort am Rand von Kerpen.
Das Grundstück umfasst rund 50.000 Quadratmeter. Der geplante Neubau hat eine Bruttogrundfläche von etwa 20.000 Quadratmetern. Zusätzlich werden Außenflächen für praktische Ausbildungszwecke vorgesehen. Der vorhandene Parkplatz bleibt erhalten und wird weiter genutzt. In der Planung wird zudem ein Höhenunterschied von etwa 60 Zentimetern auf dem Gelände berücksichtigt und ausgeglichen.
Durch die Platzierung des Gebäudeensembles an der Humboldtstraße erhält die Bauindustrie eine neue, sichtbare Adresse. Das Zentrum wird damit nicht nur funktional erneuert, sondern auch städtebaulich klarer erkennbar.
Zweck des Neubaus
Der Neubau verfolgt mehrere Ziele zugleich. Er soll moderne Lern- und Arbeitsbedingungen schaffen, die unterschiedlichen Ausbildungszweige besser miteinander verbinden und den laufenden Ausbildungsbetrieb auch während der Bauphase berücksichtigen.
Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines Ausbildungsquartiers mit Atmosphäre, Orientierung und hoher Alltagstauglichkeit. Die Gebäude werden so angeordnet, dass kurze Wege entstehen und die verschiedenen Funktionen sinnvoll miteinander vernetzt werden. Theorie, Praxis, Mensa, Wohnen, Verwaltung und Lagerung werden nicht isoliert betrachtet, sondern als zusammenhängender Campus organisiert.
Damit wird der Standort auf die zukünftigen Anforderungen der Bauausbildung vorbereitet: praxisnah, robust, wirtschaftlich, nachhaltig und nutzerorientiert.
Architektur und Campusidee
Das neue Ausbildungszentrum ist als zusammenhängendes Gebäudeensemble geplant. Die Architektur nimmt die Maßstäblichkeit der Umgebung auf und schafft gleichzeitig eine eigenständige Identität. Besonders prägend sind die Werkhallen mit ihrer markanten Dachform. Diese sogenannte Sheddach-Konstruktion ist aus industriellen und handwerklichen Gebäuden bekannt und ermöglicht große Spannweiten sowie einen guten natürlichen Lichteinfall.
Im Zentrum des Campus entsteht eine großzügige „grüne Mitte“. Diese Freifläche dient nicht nur als Aufenthalts- und Freizeitbereich für Auszubildende. Sie kann auch als grünes Klassenzimmer und als Außenbereich der Mensa genutzt werden. Der Innenhof wird damit zu einem Ort der Begegnung, Erholung und Kommunikation.
Ein umlaufender Laubengang verbindet die einzelnen Gebäudeteile. Er schafft geschützte Wege zwischen den Bereichen und macht den Campus auch bei wechselnder Witterung gut nutzbar. Gleichzeitig stärkt er die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.
Bauliche Besonderheiten
Die Gebäudehülle ist auf Robustheit, Langlebigkeit und ein einheitliches Erscheinungsbild ausgelegt. Klinkerriemchen prägen die Fassaden. Dieses Material ist widerstandsfähig, pflegeleicht und für einen stark genutzten Bildungsstandort gut geeignet. Die Fenster der Hauptgebäude werden aus Aluminium gefertigt und farblich auf die Fassade abgestimmt.
Im Sockelbereich kommen hellgraue Betonsteine zum Einsatz. Sie verbinden sich optisch mit den Pflasterflächen der Arkadengänge. Durch diese Materialwahl entsteht ein ruhiges, belastbares und hochwertiges Gesamtbild.
Die Werkhallen sind besonders auf die praktische Ausbildung ausgerichtet. Die Konstruktion erlaubt große Spannweiten und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Die Hallen erhalten robuste Innenräume, belastbare Bodenflächen und nutzungsgerechte Bereiche für praktische Arbeiten, Umkleiden, sanitäre Einrichtungen und sogenannte Schmutztheorieräume.
Innenräume und Lernumgebung
Die Innenräume werden funktional, langlebig und nutzerfreundlich gestaltet. In den Hauptgebäuden sind überwiegend strapazierfähige und pflegeleichte Bodenbeläge vorgesehen. In stärker frequentierten Bereichen wie Foyers, Mensa und Sozialräumen kommen großformatige helle Betonwerksteinbeläge zum Einsatz.
Für Schulungsräume sind akustisch wirksame Decken und teilweise Wandabsorber vorgesehen. Das verbessert die Verständlichkeit, reduziert Lärm und schafft bessere Lernbedingungen. Gerade in einem Ausbildungszentrum mit vielen Menschen und unterschiedlichen Nutzungen ist dies ein wichtiger Qualitätsfaktor.
Die Farbgestaltung orientiert sich am Erscheinungsbild des Berufsförderungswerkes. Das charakteristische Blau wird in Bodenbelägen, Wandgestaltungen und Einbauten aufgegriffen. In Verbindung mit perlkupferfarbenen Fenstern entsteht eine ruhige, moderne und wiedererkennbare Atmosphäre.
Barrierefreiheit
Die allgemein zugänglichen Bereiche des neuen Ausbildungszentrums werden barrierefrei geplant. Ziel ist, dass Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen das Gebäude gleichberechtigt nutzen können.
Die Zugänge zu den Gebäuden sind stufenlos vorgesehen. Türen werden automatisch oder leicht bedienbar ausgeführt und erhalten ausreichende Breiten, damit sie auch mit Rollstuhl gut nutzbar sind. Im Außenraum führen taktile Leitsysteme und Bodenindikatoren zu einem Informationspunkt, an dem ortsfremde Personen Orientierung erhalten können.
Aufzüge werden so dimensioniert, dass sie mit Rollstühlen genutzt werden können. Bedienelemente werden taktil und akustisch wahrnehmbar gestaltet. Auch Treppenhäuser erhalten barrierefreie Elemente wie taktile Leitsysteme an Handläufen sowie kontrastreiche Markierungen an Stufen und Böden.
Flure werden mit ausreichender Breite geplant. Räume sind stufen- oder schwellenlos erreichbar. In allen Gebäuden sind rollstuhlgerechte WC-Anlagen vorgesehen, mit beidseitiger Anfahrbarkeit, Haltegriffen und unterfahrbaren Waschtischen.
Barrierefreiheit wird damit nicht als Zusatz verstanden, sondern als integraler Bestandteil eines modernen Bildungsortes.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
Der Neubau berücksichtigt Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit. Geplant ist eine kompakte Bauweise mit robusten Materialien und einer Konstruktion, die auf dauerhafte Nutzung ausgelegt ist.
Die Dachflächen der Werkhallen werden so konzipiert, dass sie zur Nutzung regenerativer Energien beitragen können. Die Nordausrichtung der Dachfenster unterstützt den Tageslichteinfall, reduziert Blendung und hilft, sommerliche Überhitzung zu vermeiden.
So entsteht ein Bildungsstandort, der nicht nur funktional ist, sondern auch ökologische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Das ist gerade für einen öffentlich geförderten Neubau wesentlich: Die Investition soll langfristig tragfähig, nutzerfreundlich und ressourcenschonend sein.
Ein Bildungsquartier für die Zukunft der Bauwirtschaft
Mit dem neuen Ausbildungszentrum in Kerpen entsteht ein Ort, der die Anforderungen moderner Bauausbildung räumlich sichtbar macht. Der Campus verbindet Lernen, Arbeiten, Wohnen, Verpflegung und Begegnung in einem klar strukturierten Gebäudeensemble.
Die besondere Lage am Übergang zwischen Industriegebiet und künftigem Bildungsumfeld, die praxisnahen Ausbildungsflächen, die grüne Mitte und die barrierefreie Planung machen den Neubau zu einem zukunftsorientierten Bildungsquartier.
Das neue Zentrum steht damit für eine Bauausbildung, die fachlich anspruchsvoll, praxisnah, inklusiv und nachhaltig ausgerichtet ist. Es schafft moderne Rahmenbedingungen für Auszubildende, Unternehmen und Beschäftigte der Bauwirtschaft und stärkt den Standort Kerpen als wichtigen Bildungsort in Nordrhein-Westfalen.
Disclaimer:
Der Neubau des bauindustriellen Ausbildungszentrums Kerpen wird im Zusammenhang mit den Anforderungen der Just Transition Fund — JTF — Förderrichtlinie geplant. Die Projektunterlagen berücksichtigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit, Energieeffizienz sowie die langfristige Stärkung der beruflichen Bildung im Strukturwandel.
Das EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 wird von der Europäischen Union kofinanziert; auf der offiziellen Programmseite werden die Europäische Union sowie das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen als zentrale öffentliche Stellen genannt.
Ansprechpartner

Projektingenieur Bauprojekt, Kerpen
Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW gGmbH
Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen un der europäischen Union.

